Alles was sie über die Zubereitung von Tee wissen müssen

Alles was sie über die Zubereitung von Tee wissen müssen

Im Prinzip ist kaum etwas leichter als die Zubereitung Tees. Die Teeblätter werden in Wasser eingelegt und nach einiger Zeit wieder entfernt. Fertig.

Durch den Kontakt mit Wasser gehen wasserlösliche Bestandteile der Teeblätter ins Wasser über und erzeugen so ein Getränk das wir Tee nennen.

Um allerdings eine wohlschmeckende Tasse Tee zuzubereiten, muss der Kontakt zwischen den Teeblättern und Wasser unter optimalen Bedingungen geschehen.

Um Tee zuzubereiten, übergießen sie zunächst die Blätter mit Wasser. Sobald die Blätter in Kontakt mit Wasser kommen fangen sie an sich zu entfalten und wasserlösliche Stoffe abzugeben. Hierdurch verfärbt sich das Wasser und bekommt einen charakterischen Geschmack, Geruch und Textur.

Das Geschmacksprofil des resultierenden Tees hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Prinzipiell beinhalten Teeblätter eine Vielzahl an Inhaltsstoffen die an Wasser abgegeben werden können. Durch die richtige Dosierung der Teemenge, der Teeöberflche, der Ziehzeit, und der Brühtemperatur kann gesteuert werden, welche Mengen welcher Stoffe in das Wasser gelangen und somit Bestandteil des fertigen Tees werden.

  • 80% des in den Teeblättern enthaltene Koffein löst sich bereits in der ersten Minute nach dem Aufbrühen.
  • Tannine (Gerbstoffe) benötigen deutlich mehr Zeit. Erst nach 7 Minuten haben sich 80% aus den Teeblättern gelöst.
  • Aromen wiederum haben komplett unterschiedliche Freisetzungsraten die stark von ihrer Molekularen-Struktur abhängt.

In jedem Fall aber gilt, je länger die Teeblätter im Wasser verweilen, desto gründlicher werden alle wasserlöslichen Bestandteile herausgelöst.

Aus diesem Grund ist eine längere Ziehzeit keinesfalls immer besser. Werden Teeblätter nämlich zu lange in Wasser eingelegt, lösen sich irgendwann auch Bitterstoffe.

Diesen Effekt kann durch eine kurze Verweildauer der Blätter im Wasser entgegengesteuert werden. Allerdings darf die Ziehzeit auch nicht zu kurz sein, da sonst auch kaum Aromastoffe im Tee enthalten sind. Dem kann man wiederum durch eine höhere Dosierung der Teeblätter oder auch eine höhere Brühtemperatur entgegenwirken. Allerdings lösen sich abhängig von der Temperatur des Wasser die Aromastoffe in völlig anderen Mengen, sodass leicht das Geschmacksprofil des Tees aus der Bahn gerät.

Die Wahl der Aufbrühtemperatur, Ziehzeit und Teeblattmenge ist immer ein Balanceakt und für jede Teesorte gelten andere Regeln.

Im folgenden werden diese Aspekte genauer diskutiert.

Geschmack braucht Zeit und Raum

Ein oft übersehener Faktor ist, wie groß der effektive Kontakt zwischen Teeblättern und Wasser ist. Oftmals ist es ratsam die Oberfläche der Blätter zu maximiert, indem man ihnen Raum zur vollen Entfaltung gibt.

Beispielsweise können traditionelle Schwarzteesorten wie Darjeeling oder Yunnan ihr Volumen durch das Einweichen um das Vierfache steigern. Japanische Grüntees können sogar ein siebenmal größeres Volumen erreichen als im getrockneten Zustand. Spitzenreiter sind aber diesbezüglich spezielle Oolong Tees (Dong Ding, Goa San Cha) die bis um das 18fache während des Aufbrühens wachsen können.

Die richtige Menge Tee

Die optimale Teemenge hängt immer von der Kapazität des Gefäßes ab in dem der Tee zubereitet werden soll. Umso mehr Teeblätter verwendet werden, desto stärker wird effektiv auch der Tee schmecken. Allerdings kann durch eine zu große Menge auch leicht die feine Geschmacksbalance vieler Tees aus den Fugen geraten.

Es jedoch keine allgemeingültigen Regeln, welche Teemenge die richtige ist. Stattdessen gibt es zwei „Denkschulen“.

Die westliche Methode

In Europa und den USA beträgt das typische Verhältnis von Teeblättern zu Wasser ungefähr 1:50 bis 1:70. Dies entspricht der üblichen Richtlinie, dass ein Teelöffel Blätter (ca. 2g) pro 100-150mL Wasser optimal sind.

Aktuell zeigt sich ein Trend hin zu größeren Mengen an Teeblättern, mit dafür aber kürzere Ziehzeiten. Der Grund hierfür ist, dass so die Menge an Aromastoffen im Tee erhöht wird, da diese leicht wasserlöslich sind. Dies gilt insbesondere für die dominantesten Geschmacksnoten und führt in der Praxis zu intensiveren Tees.

Allerdings ist, wie bereits oben erwähnt, Vorsicht geboten, da durch die hohe Anzahl an Teeblättern auch leicht Bitterstoffe in den Tee gelangen können und zudem das Geschmacksprofil verzerrt wird.

Die östliche Methode

In östlichen Ländern wie China dagegen wird die Teemenge hauptsächlich durch die verwendeten Utensilien (Gong Fu Cha oder Zhong Teekessel) bestimmt. Insbesondere wird in diesen Ländern die Teemenge durch das Volumen der Blätter und nicht durch ihr Gewicht bestimmt. Als Grundregel gilt, dass die Teeblätter 20-50% des Gesamtvolumens der Teetasse oder -kanne einnehmen sollten.

In der Praxis entspricht dies einem Gewichtsverhältnis von ca 3:100 bis 5:100.

Die Menge der Teeblätter sollte stets abgemessen werden, wobei die exakte Dosierung von den persönlichen Präferenzen abhängt. Eine typische Teetasse umfasst ca. 100-150 mL. Die Standardmenge für eine solche Menge an Wasser ist ungefähr ein Teelöffel.

Ist die Menge an Teeblättern zu gering, schmeckt der Tee nach Spülwasser. Ist die Menge zu hoch, führt der resultieren Tee zu einem unangenehmen Mundgefühl bin einem verzerrten Geschmacksprofil.

Das richtige Wasser macht den Tee

Tee gehört zu den einfachsten (und beliebtesten) Getränken überhaupt, da nur Teeblätter und Wasser benötigt wird. Allerdings ist nicht nur die Qualität und Menge der Teeblätter für den Geschmack des Tees entscheidend, sondern ebenfalls die Qualität des verwendeten Wasser.

Für Tee-Neulinge ist die Wichtigkeit des verwendeten Wasser ein häufig übersehener Faktor. Allerdings ist es einfach sich von der Richtigkeit dieser Aussage zu überzeugen, indem Sie ihre Lieblingsteesorte einfach mal mit Wasser aus verschiedenen Quellen zubereiten. Sie werden sofort einen signifikanten Unterschied schmecken. Aus diesem Grund schmecken Tees auch von Land zu Land, oder sogar von Region zu Region verschieden, obwohl die gleichen Teeblätter verwendet werden.

Als Grundregel gilt, dass feiner Tee auch feines Wasser verdient. Insbesondere Chlor und Calcium können den Geschmack eines Tees signifikant stören.

In vielen Ländern und Regionen ist Leitungswasser eine gute Wahl für die Teezubereitung. Allerdings nur falls der Chlor- und Calciumanteil nicht zu hoch liegen.

Außerdem sollte stets Wasser mit einem neutralem pH Wert (7) verwendet werden. Der pH Wert misst dem Säure- und Basengehalt und für einen optimalen Tee-Geschmack, sollte das verwendete Wasser weder basisch noch sauer sein.

Sollte das Leitungswasser in ihrer Region nicht optimal sein, können sie anstelle von Mineralwasser auch Wasser benutzen, dass mit einem Kohlefilter aufbereitet wurde. Insbesondere in Japan wird Tee hauptsächlich mit kohlegefiltertem Wasser zubereitet.

In China wiederum gilt die Faustregel, dass ein Tee immer am besten schmeckt, wenn er mit Bergwasser aus der Region aus der er stammt, zubereitet wird.

Die richtige Menge Zeit und Wärme

Der letzte und vielleicht wichtigste Faktor eine gelungene Tee-Zubereitung ist eine optimale Ziehzeit. Werden die Blätter zu kurz eingeweicht, finden nur wenige Aromastoffe den Weg ins Wasser. Ist die Ziehzeit aber zu lang, schmeckt der Tee irgendwann bitter, da bei einer ausreichenden Verweildauer im Wasser irgendwann auch die schwerer lösliche Bitterstoffe zum Bestandteil des Tees werden.

Die optimale Ziehzeit hängt immer von der verwendeten Teesorte ab und kann zwischen wenigen Sekunden und mehreren Minuten liegen.

Neben der Ziehzeit ist auch die Temperatur des Wasser entscheidend. Heißeres Wasser bewirkt ein schnelleres Lösen der Aromastoffe aber auch der Bitterstoffe. Wie auch bei der Ziehzeit, hängt auch die optimale Brühtemperatur des Wasser von der verwendeten Teesorte ab.

Ziehzeit Weißer Tee

Silbernadel60°C8 Minuten
Bai Mu Dan60°C6 Minuten

Ziehzeit Grüntees

Junge Chinesische Grüntees70°C4 Minuten
Andere Chinesische Grüntees70°C3 Minuten
Gyokuro50°C1 Minute
Sencha Ichibancha70°C2 Minuten
Andere Japanische Grüntees80°C3 Minuten

Ziehzeit Oolong-Tees

Westliche Art95°C6 Minuten
Gong Fu Cha Art95°C20 bis 60 Sekunden

Ziehzeit Schwarztees

First Flush aus Indien und Nepal85°C3 Minuten, 45 Sekunden
Zweite und dritte Flush aus Indien und Nepal90°C4 Minuten
Andere Indische Tees90°C4 Minuten
China, Sri Lanka, und andere Länder90°C4 Minuten

Ziehzeit Aromatisierte Tees

Jasmin-Tees70°C3 Minuten
Rauchtees90°C4 Minuten
Aromatisierte Grüntees70°C3 Minuten
Aromatisierte Oolong-Tees90°C6 Minuten
Aromatisierte Schwarztees90°C4 Minuten

Ziehzeit Pu-Erh Tees

Rohe Pu Erhs90°C4 Minuten
Schwarze Pu Erhs90°C4 Minuten

Die richtige Trinktemperatur

Neben der Brühtemperatur ist ebenso wichtig, bei welcher Temperatur der Tee schlussendlich genossen wird.

Die Serviertemperatur ist ein oftmals übersehener, aber dennoch immens wichtiger Faktor wenn ein optimales Geschmackserlebnis erreicht werden soll. Klar ist, dass ein Tee niemals so heiß getrunken werden sollte, dass man sich an ihm den Mund verbrennt.

Stattdessen sollte Tee stets einen Moment ruhen bevor er getrunken wird, da so das Geschmackserlebnis signifikant verbessert werden kann.

Die ideale Trinktemperatur eines Tees liegt zwischen 40°C und 50°C. Der Vorteil einer relativ niedrigen Temperatur liegt darin, dass der Mund in diesem Fall nicht damit beschäftigt ist auf die extreme Hitze zu reagieren, sondern stattdessen den Geschmack des Tees vollständig aufnehmen und wahrnehmen kann

Ein Trick um Tee schneller Abzukühlen ist ihn zwischen zwei Tassen hin und her zu schütten. Bei nach jedem Schüttvorgang hat sich die Teetemperatur um ca. 10°C abgesenkt.

Gerade als Tee-Neuling kann ein Thermometer von unschätzbaren Wert sein, um ein Gefühl für die optimale Tee-Temperatur zu entwickeln.